Geschichte

Spinnerei Heinrich Kunz

Heinrich Kunz

Heinrich Kunz, geboren am 1. März 1793 in Oetwil am See, kam im Jahr 1836 mit grossen Plänen nach Linthal: Im hintersten Dorf des Glarnerlands sollte eine neue Spinnerei entstehen. Bedingt durch die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse in der Region stiess Kunz bei der Gemeinde auf offene Ohren und wurde grosszügig unterstützt.
Bereits 1838 wurde die Spinnerei Heinrich Kunz in Betrieb genommen und schaffte bis 300 neue Arbeitsplätze. Der kinderlose Kunz, mittlerweile auch "Europas Spinnenkönig" genannt, verstarb im Alter von 66 Jahren und hinterliess neben einem Vermögen von 17 Millionen Franken auch zehn Spinnereien (acht in der Schweiz und je eine in Italien und Polen).

1890 begann der Niedergang der Spinnerei, welche sich seit zehn Jahren im Besitz der Zürcher Firma Wunderly, Zollinger & Cie befand. Auslöser für den Niedergang waren einerseits die Konjunktur, andererseits auch Erbstreitigkeiten zwischen den Familien der Besitzer. 1912 wurden schliesslich alle ehemaligen Betriebe von Kunz, das waren die Spinnereien in Linthal, Windisch, Rorbas und Adliswil, an die deutsche Textilgruppe W. Wolf & Söhne verkauft.
Bereits 1941 wurden die Spinnereien an die Oerlikon-Bührle in Zürich weiterverkauft. Unter dem neuen Inhaber wurde der Betrieb in Linthal ab 1989 für 26 Millionen Franken von Grund auf erneuert und modernisiert.

Spinnerei Linthal AG

1996 zog sich Oerlikon-Bührle aus dem Textilgeschäft zurück und fand mit dem Konsortium Hacontex AG, Zollikon und Niggler & Küpfer S.p.A, Capriolo (I) einen Käufer für den Betrieb.
Die Spinnerei wurde daraufhin in Spinnerei Linthal AG umbenannt und erneut für einige Millionen ausgebaut.

Nachdem das Geschäft einige Jahre gut lief, wurde der Druck durch die billigeren ausländischen Produkte so gross, dass 2003 nur noch ein Wunder das Ende hätte verhindern können. Dieses Wunder bleib aus, so dass 2005 die Spinnereimaschinen zum Verkauf ausgeschrieben wurden und die Spinnerei 2007 endgültig stillgelegt wurde.

Belo Horizonte

Interessenten für den Kauf fanden sich in Brasilien, genauer in Belo Horizonte. Mit dem Verkauf der Maschinen an die Gebrüder Matos aus Belo Horizonte war das Ende der Spinnerei Linthal besiegelt.

Es folgten der Abbau der Maschinen und deren Transport in die brasilianische Stadt Belo Horizonte. Dort wurden die Maschinen in einer neuen, grossen Halle wieder aufgebaut.

Quellen

  • Fridolin Walcher, Martin Beglinger: Von Glarus nach Belo Horizonte, Verlag Neue Zürcher Zeitung
  • Rolf von Arx, Jürg Davatz, August Rohr: Industriekultur im Kanton Glarus, Südostschweiz Buchverlag
  • http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Kunz,_Heinrich

Siehe auch Literatur